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Warum Wissenschaft verständlich sein muss

Bild: Sam McGhee Unsplash

„Amerikanische Wissenschaftler haben in einer Studie herausgefunden…“ – viele Meldungen aus der Wissenschaft fangen so oder ähnlich an. Sie berichten von wichtigen Durchbrüchen und neuen Erkenntnissen, die unser Leben verändern könnten. Oder zumindest die Art, wie wir die Welt sehen.

Die Meldung vom wegweisenden Durchbruch ist aber oft schon nach wenigen Tagen wieder vergessen. Unser Leben hat sie auch nicht verändert. Wie kann das sein?

Klare Antworten?

Journalismus braucht schnelle und einfache Aussagen, klare Bilder und einen entsprechenden Nachrichtenwert. Wenn eine Nachricht keine klare Botschaft hat, keine Neuigkeit bietet oder die Leserschaft einfach nicht betrifft, dann ist sie nicht relevant.

Für Forschende ist die eigene Arbeit natürlich relevant. Sonst hätten sie auch kaum mehrere Jahre ihres Lebens diesem einen Thema gewidmet, dessen kaum vorhersehbares Ergebnis oft über die komplette Karriere entscheidet.

Wissenschaft ist langwierig und nie wirklich abgeschlossen. Schon das macht es schwierig, schnelle und abschließende Aussagen aus einer Forschungsarbeit zu bekommen.

Eine Studie oder eine Experimentreihe zu planen, durchzuführen und auszuwerten, kann Jahre dauern. Experimente können scheitern. Neue, zu klärende Fragen entstehen. Bestehendes Wissen muss überworfen oder zumindest ergänzt werden.

Wissenschaftlichkeit ist Unsicherheit

Als gesichert gelten die dabei gewonnenen Erkenntnisse häufig aber auch dann noch nicht. Denn dazu müsste die gleiche Arbeit wiederholt werden und das gleiche Ergebnis herauskommen; idealerweise in einem anderen Labor.

In der Medizin gelingt das gerade mal in drei von zehn Fällen. Und wenn nicht gerade ein schwarzes Loch fotografiert oder Gravitationswellen nachgewiesen werden, ist der Zuwachs zum Gesamtwissen, den eine Forschungsarbeit heute leistet, eher klein.

Für den Journalismus ist Wissenschaft also nicht gerade einfach zu greifen. Es gibt selten klare Antworten, große Sensationen oder einfache Zusammenhänge.

Miteinander reden

Wer Wissenschaft verständlich erklären will, muss sie erst einmal selbst verstanden haben. Viele Journalistinnen und Journalisten haben aber keine wissenschaftliches Studium hinter sich, auf dass sie zurückgreifen könnten. Und viele Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler wissen nicht, wie Journalismus arbeitet.

Damit über Wissenschaft nicht nur unterhaltsam und oberflächlich, sondern auch kritisch und tiefgründig berichtet werden kann, müssen sich die beiden Seiten aufeinander zu bewegen. Sie müssen eine gemeinsame Sprache finden.

Gelingt das nicht, ist Wissenschaft in den Medien nichts weiter als ein ständig wiederholtes Stereotyp mit beliebigen Botschaften. Was dabei herauskommt, zeigte der ehemalige Abgeordnete des EU-Parlaments Elmar Brok (CDU) unlängst in einem Wahlwerbespot.

Eine Wissensgesellschaft, die sich dem Klimawandel, der Digitalisierung und den Herausforderungen des Gesundheitssystems stellen will, kann sich eine solche Ignoranz aber nicht leisten.

Published inin Reaktion

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