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Kartenspiel vermittelt Chemie

“Kein anderes Schulfach polarisiert so wie Chemie”, findet Tobias Bechter, Chemielehrer aus Baden-Württemberg. “Meine Erfahrungen haben gezeigt, dass Schülerinnen und Schüler das Fach entweder lieben oder ablehnen. Ein ähnliches Bild zeigt sich, wenn Erwachsene über ihre Erfahrungen mit Chemie berichten. Ein Grund dafür ist meiner Meinung nach das Periodensystem der Elemente.” Was für Chemikerinnen und Chemiker eine Art “Heiligtum” sei, ist für andere einfach nur eine Tafel mit 118 Siegeln, erklärt er. “Eine langweilige Tabelle mit irgendwelchen Abkürzungen, die damals auswendig gelernt wurde. Genau an dieser Stelle setzt mein Kartenspiel an.”

Ein Herz für Kalium

Der 33-Jährige hatte eine ebenso einfache wie schlüssige Idee: Fakten zu chemischen Elementen, die auf den bereits bekannten Spielkarten stehen. So erklärt etwa das Herz-Ass, dass Kalium für den Körper wichtig ist und Bananen, Aprikosen und Avocados gute Kaliumlieferanten sind.

Das Kartenspiel „JAKLARO“ informiert über 56 von derzeit 118 bekannten chemischen Elementen.

Zusätzlich zu der kurzen Beschreibung liefern die Karten auch “harte Fakten”; unter anderem Ordnungszahl, Preis, Atommasse und Gefahrensymbole des jeweiligen Elements. So ist das Alkalimetall Kalium ätzend und entzündlich. Dadurch lassen sich nicht nur klassische Kartenspiele wie Maumau, Quartett oder – eher für Erwachsene – Skat, Poker und Black Jack spielen, sondern auch das Kinderspiel Supertrumpf, in dem die Karten mit den besten Werten verglichen werden.

Strukturiert wie das Periodensystem

Aber wie wählt man eigentlich aus den 118 derzeit bekannten Elementen diejenigen aus, die auf die 56 Spielkarten kommen dürfen? “Das war eine der schwierigsten Entscheidungen”, sagt Bechter. “Letztendlich habe ich die Elemente ausgesucht, die uns im Schulunterricht begegnen und die am interessantesten sind. Das Ziel ist es ja, die Faszination an den Elementen und am Periodensystem zu vermitteln.”

Auch beim Aufbau des Spiels hat sich der Lehrer am Periodensystem orientiert: “Dieses Ordnungssystem ist bereits so gut durchdacht, dass ich versucht habe, die Ordnungsprinzipien auf das Spiel zu übertragen. Angelehnt an die Hauptgruppen, habe ich den Zahlen die entsprechende Hauptgruppennummer zugeordnet. So sind zum Beispiel Erdalkalimetalle (Hauptgruppe II) unter der Kartenzahl 2 zu finden. Etwas schwieriger war es bei den Übergangsmetallen, aber auch hier hat mir das Periodensystem Antwort und Struktur gegeben.”

“Nie wieder eine langweilige Vertretungsstunde”

Das Spiel kann bei Amazon bestellt werden und kostet 13,95 Euro. Wer einen Mengenrabatt möchte, etwa für Schulklassen, kann per E-Mail aufwww.jaklaro.de danach fragen. Der Verkauf im Einzelhandel ist für Ende 2019 geplant.

Währenddessen arbeitet Bechter an weiteren Lernspielen. “Unser Ziel ist es, für alle Fächer ein Spiel zu veröffentlichen, das die Faszination für das Fach wecken soll. Unsere Leitlinie ist: Alle Fächer, alle Sprachen. So wird es nie wieder eine langweilige Vertretungsstunde geben”, fügt er mit einem Augenzwinkern hinzu.

Über den Enwickler

Tobias Bechter ist seit sechs Jahren Chemielehrer. Sein Lieblingselement ist Oganesson. Für ihn verkörpert dieses noch sehr junge Element eine wichtige Eigenschaft der Wissenschaft: Es zeigt, dass sie immer ein Prozess ist und wir niemals am Ende sind, unsere Erde und das Universum zu verstehen.

Tobias Bechter möchte bei Schülerinnen und Schülern Faszination für Chemie wecken.
Tobias Bechter möchte bei Schülerinnen und Schülern Faszination für Chemie wecken.

“Als Schüler dachte ich immer, dass das Wissen der Menschheit bereits niedergeschrieben ist und ab und zu etwas Neues aus der Kombination von Altem erfunden wird. Oganesson zeigt aber eindrucksvoll, dass wir viel mehr in Prozessen denken müssen und es immer Dinge zu entdecken gibt, die den Menschen von Nutzen sein könnten.”

Published inin Reaktion